· 

Luzerner Zeitung: Sarner gestalten neues Besucherzentrum

Die Ausstellungsgestalter von Steiner Sarnen Schweiz konzipieren das Besucherzentrum für das Paraplegiker-Zentrum Nottwil. Die Bevölkerung soll einen besseren Zugang zu Informationen haben, damit Querschnittgelähmte besser integriert werden.

 

Philipp Unterschütz

 

Seit der Eröffnung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) Nottwil sind dort mehr als 20000 stationäre Behandlungen erfolgt. Alles Menschen, die lernen mussten, mit einem schweren Schicksalsschlag umzugehen und sich wieder ins Leben zu integrieren. Schicksale auch, an denen nicht nur Angehörige Anteil nehmen. «Jedes Jahr führen wir bis 12000 Gäste durch das Paraplegiker-Zentrum – Vereine, Schulklassen, Unternehmen, Berufs- und Standesorganisationen, politische Parteien», sagt Agnes Jenowein, Leiterin Corporate Communications der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Weil man damit an die Grenzen gestossen sei, bestand schon seit längerem der Plan, ein Besucherzentrum zu bauen. «Wir rechnen damit, dass sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren die Besucherzahlen verdoppeln. Mehr als jetzt können wir aber nicht durch die Klinik führen. Der Störfaktor wäre zu gross.» Für 8,6 Millionen Franken entsteht nun auf zwei Etagen mit je 400 Quadratmeter Fläche ein Besucherzentrum und in dessen Obergeschoss eine multimedial und interaktiv gestaltete Lebenswelt. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung will damit die Bevölkerung sensibilisieren und informieren – und damit letztlich den Querschnittgelähmten die Integration erleichtern. Zudem erhofft man sich, das jüngere Publikum mit einer Multimedia-Ausstellung besser abzuholen als mit traditionellen Führungen. Umgesetzt wird die Ausstellung von der Firma Steiner Sarnen Schweiz, die zurzeit das Grobkonzept erarbeitet.

 

Ausstellungsmacher holten sich Rollstuhl ins Atelier

«Im Besucherzentrum Nottwil wird man vier unterschiedlich schwer Betroffene auf Augenhöhe kennen lernen und so Hemmschwellen abbauen, die viele Leute gegenüber Personen im Rollstuhl haben», erklärt Mauro Testerini, Geschäftsleiter der Steiner Sarnen Schweiz. In exemplarischen, aber fiktiven, allgemeinen Lebenssituationen lernen die Besucher die Geschichten der Betroffenen kennen. «Man soll sich fühlen wie bei ihnen zu Hause. Wir wollen einen persönlichen Bezug zu ihnen herstellen.» Den Alltag von Querschnittgelähmten darzustellen, sei nicht ganz einfach, betont Agnes Jenowein. «Es gibt viele Tabuthemen, mit denen man sensibel umgehen muss.» So wüssten beispielsweise viele Leute nicht, dass die chronischen Schmerzen oder alle vier Stunden die Blase katheterisieren zu müssen, für die meisten Querschnittgelähmten viel grössere Probleme seien, als der Fakt, nicht mehr gehen zu können. Man habe deshalb eine Agentur mit einem lebenserfahrenen und kreativen Team gesucht, welches die nötige Sensibilität aufbringe. Vo  vier Agenturen hat sich die Stiftung schliesslich die Ideen präsentieren lassen. «Steiner Sarnen Schweiz hat uns mit der Grundidee überzeugt, dass man im Besucherzentrum Lebensgeschichten zeigt, die berühren», sagt Agnes Jenowein.

 

Während Mauro Testerini durch einen Cousin, der Tetraplegiker ist, bereits Zugang zum Thema hatte, musste sich das 4-köpfige Projektteam erst damit vertraut machen. Sie gingen auf Führungen, fragten Betroffene auch zu intimsten Themen aus und sie holten sich einen Rollstuhl ins Atelier, den sie benutzten und so Möglichkeiten und Grenzen kennen lernten. Bewunderung hätten sie dabei empfunden, wie die Betroffenen die vielen Hürden im Alltag meistern, erzählt Mauro Testerini.

 

Die Umsetzung des Konzepts erfolgt ab Frühling 2019. Eröffnet wird das Besucherzentrum vom 5. bis 8. September 2019, wenn zugleich auch die Leistungs- und Erlebnisschau Dynamo 2019 rund um den Sempachersee läuft.

 

Infos unter: www.paraplegie.ch und www.steinersarnen.ch

Download
Artikel in der Luzerner Zeitung vom 17. Februar 2018
Das Besucherzentrum vom Schweizer Paraplegiker-Zentrum wird im Rahmen von Dynamo Sempachersee eröffnet.
20180217_Luzerner-Zeitung_Sarner-gestalt
Adobe Acrobat Dokument 242.5 KB